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Historie - Queen Victoria

Queen Victoria

© Copyright Beate Rosenbach

Queen Victoria und die Einflüsse des Viktorianischen Zeitalters haben die Welt bis heute revolutioniert bezüglich Naturverbundenheit und Haustierhaltung. Wegbereiter war vor allem auch Charles Darwin, einer der bedeutsamsten Forscher der Naturwissenschaft, der die Evolutionstheorie auf den Weg brachte. Erstmals brachte er so die Menschheit auf den Gedanken, dass wir nicht die Krönung der Schöpfung sind, sondern nur ein Rädchen im Getriebe der Natur. Es kam so Gedanken auf wie Gleichstellung aller Geschöpfe, Menschen, Tiere, Pflanzen. Es passte genau in die Zeit der Landflucht. Viele schmerzte es ihr ländliches Leben aufzugeben und zum Städter zu werden. Man begann sich nach der fehlenden Natur zu sehnen. Das erste Mal gab es mit Queen Victoria eine Königin, die ebenfalls solchen Sehnsüchten zugetan war. So war es auch die Zeit des Durchbruchs für Zimmerpflanzen. Aber dann kam etwas, womit vorher niemand gerechnet hatte. Die Königin begann damit eine ganze Reihe von Tieren bei Hofe einziehen zu lassen. Bislang eher verpönt und als Zeichen des niederen Stands angesehen begann nun langsam ein Umdenken. Vor allem Queen Victorias Liebe zu Hunden und der Begeisterung des oft gelangweilten weiblichen Adels, die sich nun nach und nach ebenfalls für den neuen Zeitvertreib zu interessieren begannen revolutionierte die Welt. Es war auf einmal „in“ sich einen Hund zuzulegen. Ein neues Gedankengut, was sich auch später zunehmend in der Bevölkerung breit machte, zumindest für diejenigen, die sich das leisten konnten.

Queen Victoria war eine Liebhaberin vieler Rassen. Vermutlich beansprucht jeder Rassehundeverein heute für sich, dass es „seine Rasse“ war, die sie besonders liebte. Es heißt, dass sie sich im Rahmen ihrer geliebten Zeiten auf Schloss Balmoral in den Schottischen Highlands in die Collies verliebte mir ihren tollen Eigenschaften und Aussehen. So dauerte es auch nicht lang, bis die ersten Collies Einzug erhielten. Vom Aussehen her entsprachen sie eher den Vorläufern und fachmännischen Beurteilungen nach, waren darunter auch statt Collies, einige Vorläufer der heutigen Border Collies. Dazu zählte auch „Sharp“, der ihr treu ergeben überall hin folgte, wo es möglich war, aber es nicht so wirklich gut mit dem Personal konnte und wohl auch den ein oder anderen mal gebissen haben soll. Auch als Begleiter bei den Ausritten kam es wohl, ebenso wie auf dem Anwesen, schon mal zum Kräftemessen mit anderen Hunden. Man muss dazu auch immer bedenken, dass man Arbeitshunde, die früher am Vieh gearbeitet haben oder andere Aufgaben hatten, nicht einfach so von 100 auf 0 herunterfahren konnte, auch wenn es heißt, dass auch Schafe im Bestand der König waren, aber ob die Hunde daran tatsächlich arbeiten konnten ist fraglich und wenn sicherlich nicht so in dem Umfang wie sie es über viele Generationen hinweg gewöhnt waren (und es auch nicht mal eben so einen Abschaltknopf gab).

Ganz anders klingen da die Berichte aus Victorias Tagebuch und Erwähnungen in einigen ihrer Briefe, zu ihrem wirklichen Lieblings Collie „Noble“, der heute auch weiter als Langhaar Collie eingeordnet wird, in seinem Aussehen aber noch mehr einem der Vorläufer entsprechend. Er liebte es wie „Shape“ seiner Aufgabe nachzukommen die Handschuhe der Königin zu bewachen. Immer wieder schwärmte Victoria über das brave Verhalten von „Noble“, egal ob bei Zugfahrten oder einfach im Beisammensein oder Essen gehen. Auf einen Stuhl oder Couch gesetzt, verblieb er dort, so lange ihm nicht erlaubt wurde wieder herunterzukommen. Zugesteckte Kuchenstückchen ließ er einfach im Maul liegen, bis er die Erlaubnis bekam sie zu essen. Weiter schwärmte Victoria immer wieder, wie lieb und anhänglich er wäre und dass er der gelehrigste Hund sei, den sie je erlebt hat. Meinte er, dass man unzufrieden mit ihm wäre, bettelte er auf liebevolle Weise, indem er seine Pfoten ausstreckte, so ihre Berichte. So brach es Victoria auch das Herz, als er mit 16 Jahren erkrankte. Alle Versuche ihn zu retten, auch durch ihren Leibarzt waren vergeblich, so starb er letztlich, genau zu den Feierlichkeiten zum Goldenen Thronjubiläum 1887. Victoria war so verzweifelt, dass ihr Leibarzt ihr ein Beruhigungsmittel geben musste, auch später fand man sie oft weinend vor. Sie schrieb in ihren Briefen des schmerzlichen Verlusts, eines wahren Freundes, den sie schrecklich vermisste. Sie ließ ihn in einen mit Blei und Holzkohle ausgekleideten Sarg legen, der dann mit Ziegeln zugemauert wurde, an einem schön gelegenen Ort zwischen Bäumen auf Schloss Balmoral. Gekrönt von einer wunderschönen lebensechten Bronzestatue, erschaffen vom Bildhauer Sir Edgar Boehm. Die Grabinschrift trug nicht nur Nobles Namen, sondern auch, wie bei Victoria üblich, auch seine von ihr so geliebten besonderen Eigenschaften. Und natürlich gab es auch eine umfangreiche Beerdigungszeremonie.

Er lebte weiter in seinen Urenkeln, die wie eine ganze Reihe anderer Collies das Leben der Königin (und anderer) bereicherten. Mit einigen von ihnen wurde gezüchtet, manche ausgestellt, aber vorrangig wurden sie einfach als Liebhabertiere gehalten. Manche wurde als besonderes diplomatisches Geschenk weitergegeben, so wie Victoria auch immer wieder Tiere, darunter auch einige Hunde als Geschenk bekam, darunter auch Barsois vom Russischen Zaren. In späteren Jahren wurde auch immer wieder mal von Kreuzungen zwischen Collies und Barsois berichtet, die dann ihrerseits vielfach auch wieder weiterverschenkt wurden.

Die einstigen Collies waren mehr vom ursprünglichen etwas gedrungenen Typus mit kürzeren Hälsen und Köpfen, die Hinterköpfe breiter, die Augen runder und die Ohren überwiegend schwerer herabhängend. In der Region des Kragens sah man erste Ansätze zu einer verstärkten Ausprägung der Haarlänge. Anfangs schienen vor allem Collies von schwarzer Farbe bevorzugt zu sein, oft fast ohne oder mit nur wenig weißen Abzeichen (Black oder Bicolor). Einige hatten tan-farbene Abzeichen in mehr oder weniger starker Ausprägung (Tricolor, wenn auch weiße Abzeichen vorhanden waren), wie Victorias Collie „Noble“. Ihr Collie „Oscar“ war einer der ersten von der Farbe Sable. Queen Victorias Collies wurden vor allem aber auch bekannt, wegen ihrer vielen weißen Collies. Wer weiß ob nicht die damals als besonders edel geltenden weißen (oder zumindest die weißfaktorierten) Barsois ihre Finger mit ihm Spiel hatten. Das könnte auch die Typveränderung erklären, die der Collie durchlief, eher zum leichteren, noch eleganteren hin, mit längeren, schmaleren (adeliger wirkenden) Köpfen, einschließlich dem Hinterkopf und längeren Hälsen. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Collie in den Barsoi eingekreuzt wurde, da letzterer auch vom MDR1 Defekt betroffen ist. Vieles aus dieser Zeit ist heute leider nicht mehr sicher nachvollziehbar, auf Grund fehlender Schriften. Viele Collies waren auch komplett weiß (auch am Kopf), wohl ohne Einschränkungen, bei anderen können Double Merles nicht ausgeschlossen werden.

Auch wenn die damalige Hundehaltung von Queen Victoria oft weit entfernt war, von dem was wir heute als optimal ansehen, so hatte auch das Leben derjenigen, die nicht bei Hofe lebten sehr viele Vorzüge. Versorgt von einem Fachkundigen hatten sie täglichen Auslauf auf großzügigen Rasenflächen, durchsetzt mit schirmartigen Bauten als Schutz vor Sonne und Regen. Es gab sogar ein Wasserbecken für Badefreudige. Und nicht zu vergessen die Besuche ihrer Königin. Vor allem nach dem Tod ihres Gemahls Prinz Alberts war dort für sie ein geliebter Rückzugsort. Victoria war zudem bekannt dafür, dass sie sich sehr für den Tierschutz einsetzte, im Kampf gegen Tierquälereien, die zu dieser Zeit noch weit verbreitet waren, wie mit der Königlichen Gesellschaft zum Schutz der Tiere (RSPCA), gleich zu Anfang ihrer Regentschaft. Die aus der viktorianischen Zeit hervorgegangene Wertschätzung von Menschen und Tieren verhalf zu einer neuen reformierten Weltanschauung, bis hin zur zunehmenden Abneigung gegen Sklaverei.

Es war auch eine Zeit des Schaffens und Kreierens, sich Ausbreitend auch ins übrige Europa und bis in die USA, wenn nicht noch viel weiter darüber hinaus. Das machte auch vor der Rassebildung der Hunde nicht halt. Im Rahmen der besseren Anpassung vom Verhalten her (vom Arbeitshund zum mit im Haus lebenden Gesellschaftshund) und vor allem der „Verschönerung“ wurden immer wieder Rassen oder ihre Vorläufer in die sich neu bildenden Rassen eingekreuzt. Was erschreckend klingen mag, hatte doch einen sehr positiven Einfluss auf den Genpool, der sich so wieder deutlich breiter aufstellen konnte, wenn es nicht zu den auch weiter oftmals vorgenommenen Inzucht Rückkreuzungen kam. Aber ein Einfluss von außen blieb weiter bestehen. Als farb- und formgebend werden z.B. Setter vermutet. Und wenn man auf der anderen Seite die Ausbreitung des MDR1 Defekts verfolgt, kann man nur staunen, in wie vielen Rassen weltweit heute Collie Blut zu finden ist, trotz der geschlossenen Zuchtbücher. Aussehen und Charakter der Collies sind einzigartig und wenn man sich die Rassebeschreibung, samt Charakter der beeinflussten Rassen durchliest, scheint auch überall etwas vom Collie hängengeblieben zu sein. 

Dagegen ist die heute oft verbreitete Theorie, dass der Collie den Welsh Sheepdogs (und Toftys) entstammt, aus genetischer Sicht, nach heutigem Wissensstand als eher fraglich anzusehen. Denn dann müsste es auch einen MDR1 Defekt bei diesen geben. Das spricht für bestenfalls weit entfernte Verwandtschaft, die soweit zurückgeht, dass sie noch vor dem Auftreten von MDR1 stattgefunden hat, also noch bei den Vorläufern der Hütehunde. Das heißt nicht, dass ein rasseübergreifender Outcross mit ähnlichen Hunden keinen positiven Einfluss haben kann, aber man muss auch immer die einfließenden Charaktere bedenken. Schön agil ist nicht für jeden schön, der schon mit einem reinen Collie eher an seine Grenzen kommt. In der heutigen Zeit genügend Welpeneltern für einen Wurf zu finden, die einem Arbeitshund gerecht werden ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Auf der anderen Seite können neue Gene auch gesundheitliche Vorzüge mit sich bringen. Oder eben auch nicht, wenn Mutter Natur oder auch die Umstände als Arbeitshund in der Vergangenheit bereits dafür gesorgt haben, dass die Gene unterschiedliche Wege gehen, um robuste Nachkommen zu erzeugen. Nicht alle Genkombinationen harmonieren miteinander. Es können auch bislang unterdrückte Gene aufeinandertreffen, um die man noch gar nicht wusste. Es ist immer ein Lotteriespiel und erst in vielen Jahre, wenn auch genügend ältere Tiere vorhanden sind und sinnigerweise auch Nachfolgegenerationen, weiß man um erbliche und möglicherweise im fortgeschrittenen Lebensverlauf auftretende Erkrankungen. Andere Rassen sind auch nicht wirklich ideal. Windhunde könnten bei unseren viel auf Sicht gehenden Hunden noch den Jagdtrieb hervorkitzeln und intensivieren. Und drinnen vom Wesen her vielleicht noch ähnlich, leben sie beim Auspowern draußen doch in einer ganz anderen Welt, die den mitbewohnenden Collie eher frustriert. Viele andere Rassen bringen wieder zahlreiche eigene Baustellen mit. Wie es um die Wesensentwicklung steht, ob man die Vorzüge der Collies wiederfindet, ohne dass unerwünschte Outcross Mitbringsel bleiben, weiß man auch erst nach mehreren Generationen. Aber jede Rasse ist endlich, wenn man an geschlossenen Zuchtbüchern festhält und es muss langfristig eine Lösung gefunden werden, wenn wir auch in Jahrzehnten noch Freude an ihnen haben wollen. 

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Textquellen

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Historie: Vom Wolf zum Collie im Viktorianischen Zeitalter

Vom Wolf zum Collie im Viktorianischen Zeitalter

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  • 1. Stammvater Wolf

    Manchmal kann man den Eindruck bekommen, dass besonders die Amerikanischen Collies sich viele positive Eigenschaften ihres Stammvaters Wolf bewahrt haben. Als hochbeinige, elegante, wendige Läufer mit feiner Sinneswahrnehmung und hoher Intelligenz liegt man da gar nicht ganz so falsch, wenn man sich die Stammesgeschichte anschaut. Wölfe (Canis lupus) gibt es wohl schon seit 100.000 Jahren, also bereits in der Altsteinzeit (Mittel- bis Jungpaläolithikum im Pleistozän). Genetische Untersuchungen zeigen, dass der Ursprung unserer Hunde vor allem bei den damaligen Sibirischen Wölfen aus dem östlichen Eurasien zu suchen ist. Die weiten Steppenlandschaften waren ideal für sie und ihre Beutetiere, die vorwiegend in größeren Herden umherzogen. Nahrungskonkurrenten, wie Bären und Säbelzahntiger waren vorrangig als Einzelgänger unterwegs. Die Wölfe dagegen waren schlau genug, sich in Sozialverbänden zusammen zu tun, auf Basis gemeinsamer Interaktionen und Aufgabenverteilung. Das verschaffte ihnen viele Vorteile, wie z.B. eine strategische gemeinsame Jagd (Nahrungsbeschaffung), der Schutz in der Gruppe (Erkennen, Vermeiden und Abwehren von Gefahren), sowie die Optimierung der Aufzucht von Nachwuchs (kein allein lassen, gemeinsames großziehen und Nahrungsversorgung). Aber sie waren nicht die einzigen, denn auch die sich zunehmend breitmachenden Menschen wussten all diese Vorzüge zu schätzen, machten Jagd auf die gleichen Beutetiere, lebten in Sozialverbänden und führten einen nicht ganz unähnlichen Lebensstil. So gab es schon damals viele Parallelen, aber es sollte noch ganz anders kommen.

     

     

  • 2. Schwere Zeiten

    Nicht immer waren für Wolf & Mensch die Überlebensbedingungen ideal. Vor allem die Folgen von klimatischen Veränderungen machte ihnen zu schaffen, denn oftmals wurde den Beutetierherden ihre Nahrungsgrundlage entzogen, mit der sich ändernden Vegetation. Längere Kältewellen in der Altsteinzeit führten zu vorübergehenden geografischen Isolierungen und/oder zu Abwanderungen in gemäßigtere Regionen. Klimaerwärmungen führten zum Auftauen von Permafrostböden, die so teilweise unzugänglich wurden. Am schlimmsten traf es die Gebiete weiter westlich am Ende der Eiszeit (LGM - letztes glaziales Maximum) im Übergang zur Mittelsteinzeit (Mesolithikum im Holozän). Das Tauwasser der schmelzenden Gletscher verwandelten die Tundra in Feuchtgebiete (Taiga) mit gefährlichen Sümpfen. An solche Bodenverhältnisse waren die großen Herdentiere nicht angepasst waren, zumal ihre Nahrungsgrundlage verschwand. Statt Graslandschaften, wuchsen auf dem nun zunehmend fruchtbaren Boden auf einmal Büsche und ganze Wälder, wie der Boreale Nadelwald. In der Folge starben viele Herdentiere aus, wie z.B. Mammut, Wollnashörner und die damaligen dort lebenden Wildpferde. Andere, wie z.B. Rentiere und Moschus Ochsen gab es immer weniger oder sie wanderten ab. Sowohl die geografische Isolierung, als auch die Abwanderung der Beutetiere, führten dazu, dass sich Menschen und Wölfe immer näherkamen. Möglicherweise haben sich da schon Menschen eines Wolf Welpen angenommen und großgezogen. Aber auf der anderen Seite wuchs auch die Gefahr des Fressens oder gefressen werden. Da beide nicht die präferierten Beutetiere der anderen waren, bestand auch noch eine dritte Möglichkeit.

     

     

     

  • 3. Annäherung

    Mit der Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit (LGM) mussten Menschen wie Wölfe ihr Leben komplett umkrempeln. Bislang hatten beide Jagden auf flüchtende große Herdentiere gemacht. In den heranwachsenden Wäldern siedelte sich zunehmend kleines bis mittelgroßes Haarwild an, entweder einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs. Die interessanten Pflanzenfresser waren auf einmal nicht mehr gut sichtbar, vor und während der Jagd. Jetzt mussten sie erst mal gefunden werden und meist war der Anblick nur kurzer Dauer, da sie gleich wieder im Schutz der Büsche, Bäume und teilweise Unterschlüpfen verschwanden. So taten sich beide, Menschen wie Wölfe, schwer im Kampf ums tägliche Überleben. Beide intelligent und im Stande strategisch zu denken, machten sie sich wohl anfangs zufällige, später mögliche gewollten Begegnungen zu Nutze. Wenn einer von beiden Wild aufstöberte, hatte es der andere leichter beim Stellen dieser. Auch wenn beide die gleichen Beutetiere bevorzugten, so war es den Zweibeinern nicht möglich sie restlos zu verspeisen. Teile wurden auch gezielt aufgehoben zur weiteren Nutzung. All dies verursachte Gerüche, die anderes Getier anzog, wie Bären und Wölfe. Anfangs wohl eher zufällig, wenn sie auf Nahrungssuche unterwegs waren und im Laufe der Zeit sicherlich auch irgendwann mal gezielt wartend auf „ihren Anteil“. Eine kräftesparende Version der Nahrungsbeschaffung. Hielt man sich in der Nähe der Menschen auf, so kam man anderen Reste Vertilgern zuvor, wie z.B. Bären und hielt sie so nicht nur von den Nahrungsresten fern, sondern auch von den Menschen, die davon auch profitierten. Man tolerierte sich gegenseitig, aber arbeitete noch nicht mit ihnen zusammen und lebte eher auf Distanz, auch wenn die Wölfe sicherlich wussten, dass die Menschen ihnen eher wenig anhaben konnten. Und die Menschen lernten, dass Wölfe in der Nähe, mit ihrem besseren Gehör und Geruchssinn auch einen gewissen Schutz bieten konnten vor Gefahren wie z.B. Bären.

     

     

     

  • 4. Der Lagerwolf

    Wenn man nebeneinander lebt, kommt man nicht umhin, das Verhalten des anderen zu studieren, schon allein um abzusehen, wie seine Reaktionen sind, um eine Risikoabschätzung zu haben (droht von ihm Gefahr oder nicht). Mit weitaus weniger Argwohn, halten wir es bis heute noch ähnlich. Welcher Mensch verfolgt nicht gerne das Tun seines Welpen und später herangewachsenen Collies. Umgekehrt ist es genauso, wobei die Hunde und allen voran der Collie, einen noch viel feiner lesen kann als wir ihn. Sie haben es einfacher, da ein Großteil ihrer innerartlichen Verhaltensweisen (wie z.B. Interaktionen & Kommunikation) auf Körpersprache basiert, etwas was der heutige Mensch größtenteils verlernt hat. Je besser man dann das Verhalten des anderen einschätzen kann, desto einfacher und vorausschauender kann das Miteinander werden. So gab es damals sicherlich hin und wieder mal einzelne Wolfsexemplare, die besonders neugierig oder vom Hunger getrieben waren und sich dem Menschen weiter näherten. Umgekehrt könnten auch Menschen auf einzelne Wölfe zugegangen sein, ihnen z.B. etwas Nahrung hingeworfen oder vielleicht einen Welpen an sich genommen haben. So kam es zu ersten Annäherungen. Das der Mensch als einziges Lebewesen Feuer Händeln kann, war mit Sicherheit auch ein wichtiger Aspekt für ein Zusammenrücken, denn es brachte Wärme und Schutz für alle, die nah genug herankamen. Bezeichnend ist auf jeden Fall, dass wohl einzelne Individuen oder Gruppen mit ihrer Intelligenz in der Lage waren über den Tellerrand hinauszuschauen und verschafften sich so einen evolutionären Überlebensvorteil. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

     

     

  • 5. Domestizierung

    Anfangs war es wohl ein gegenseitiges Ausprobieren, was das gemeinsame Zusammenleben betraf. Vielleicht war es auch nicht von ständiger Dauer geprägt. Man denke nur an aktuelle Zähmungsversuche von Wölfen, ebenso wie deren Nachfahren, wie z.B. der Tschechoslowakische Wolfshund. Was als Welpe und Jung Hund vielversprechend beginnen kann, wird manches Mal schon schwierig in der Pubertät und entzweit sich gerne mit Beginn der Geschlechtsreife. Eine natürlicher Abnablungsprozess, da erwachsene Tiere, ebenso wie auch wir Menschen, gerne ihre eigenen Wege gehen, um später eigene Familien gründen zu können. Eine sinnige Entwicklung im Rahmen der Arterhaltung, genetischen Vielfalt und Vermeidung von Inzucht. Trotzdem schafften es wohl einige Individuen diese Barriere zu überwinden. Vielleicht gab es dazu auch schon erste hormonelle Varianten bei einzelnen Exemplaren, wie sie später bei Zwei- wie Vierbeinern nachgewiesen wurden im Rahmen der weiteren Evolution, die den Wünsch über ein rein innerartliches Beisammensein hinausgingen, ein weiterer begünstigender Baustein.  Zunehmend gemeinsame ausgeübte Aktivitäten (z.B. Jagen), Erlebnisse (z.B. Gefahrenabwehr) und Tagesabläufe (z.B. Verzehr, Ruhephasen, Aufwärmen) haben sicherlich manches Mal dazu beigetragen, ein Zusammenleben erst situativ, später irgendwann immer öfter, nicht nur zu beginnen, sondern auch fortzuführen und zu intensivieren.

    In der Folge gab es sicherlich auch schon eine erste Auswahl von Individuen. Zum einen eine eher zufällige und freiwillige Auswahl von Seiten der Wölfe, was die Dauer und Intensität des Zusammenlebens betraf und anders herum von Seiten der Menschen eine eher gerichtete Auswahl, indem sie diejenigen versuchten auszuwählen und vielleicht auch später miteinander zu verpaaren, die die höchste Bereitschaft zeigten für ein gemeinsames Zusammenleben und von größten Nutzen waren (z.B. für die Jagd und zum Schutz). Ein Bestreben, das sich auch in der weiteren Zukunft fortsetzte.  So wurden irgendwann aus Wolfshunden (Übergänge Wölfe zu Hundeartigen) Hunde, die begannen in ihrem Aussehen und Verhalten von der Wildform abzuweichen, da nun andere Kriterien gefragt waren und andere nutzlos wurden. Einige wanderten auch gemeinsam ab und lernten im engen Miteinander weiter die Vorzüge zu genießen und den Willen dies weiter zu geben und zu intensivieren. Nachwuchs wurde dann vielleicht noch früher eingebunden.

  • 6. Völkerwanderung der steinzeitlichen Jäger & Sammler

    Wie zuvor schon die Wölfe mit ihren Wanderungen in alle möglichen Richtungen, zeigten sich auch die damalige Menschheit als sehr aktiv. Als Jäger und Sammler (einige auch als Fischer) bevorzugten viele ein nomadenartiges Leben, immer auf der Suche nach Nahrungsquellen, andere von der Neugier getrieben und zwischenzeitlich vielfach begleitet von ihren ihnen zugetanen Vierbeinern. Der von ihnen ausgehende Schutz und ihre Unterstützung bei der Nahrungsbeschaffung halfen nicht nur, sondern ermunterten bestimmt auch so manchen. Ausgehend und parallel fortschreitend vom Übersprungs Gebiet der damaligen Sibirischen Wölfe zum Hund, zog es die Menschen von dort aus in die unterschiedlichsten Richtungen. Viele trieb es sicherlich der wärmenden Mittagssonne folgend gen Süden. Manche von ihnen wurden später sesshaft im sogenannten fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens. Andere zog es schon früh mit ihren Hunden von Eurasien aus nach Amerika. Dazu nutzten sie die Bering Landbrücke (Beringia), passierbar in gefrorenem Zustand oder in Zeiten, wo der Meeresspiegel etwa 100 Meter tiefer lag als heute, später auch mit Booten. Der Ursprung der Hütehunde aber scheint vor allem in der Wanderung der Menschen gen Westen zu liegen. Das belegen auch archäologische Funde, wie z.B. den in Oberkassel bei Bonn. Dort fand man in einem Grab das Skelett einer Frau und eines Manns und dazu das eines Hundes, was auf eine enge Beziehung zwischen Menschen und Hunden schließen lässt. Untersuchungen ergaben, dass es knapp 15.000 Jahre alt ist. In einer Kartsteinhöhle bei Mechernich in der Eifel fand man ein 12.500 Jahre altes Hundeskelett. In den Höhlen von Goyet in Belgien entdeckte man sogar ein 30.000 Jahre altes Hundeskelett. Neuere Untersuchungen lassen sogar auf ein Alter von 36.000 Jahren schließen, so dass es sich um das älteste jemals gefundene Hundeskelett handelt. Bei Predmosti in der Tschechei gefundene Hundeschädel wurden auf ein Alter von 32.000 Jahren datiert. Im Vergleich zu Wölfen hatten die dort gefundenen Hunde kürzere und breitere Schädel samt Schnauzen. Da sich solche Veränderungen nicht von heute auf morgen einstellen, steht weiter die Vermutung im Raum, dass die Domestizierung schon lange vor der Späteiszeit begann. All diesen Fundstellen gemein war, dass man das man dort auch Relikte steinzeitlicher Jäger und Sammler fand.

    Wie schon erwähnt, zeigen Untersuchungen, dass der damalige Sibirische Wolf der Urvater aller Haushunde ist. Genauer gesagt konnte man bislang gezielt zwei Übersprünge nachweisen. Später scheint es noch ab und an zu einer Durchmischung mit den damaligen Wölfen aus dem westlichen Eurasien gekommen zu sein, den damaligen Europäischen Wölfen. Die heutigen Europäischen Wolfspopulationen dagegen weisen keine näheren Verwandtschaftsgrade mehr zu Hunden auf. Dort wo heute die südliche Nordsee ist, war damals Land (Doggerland). Knochenfunde zeigen, dass dort neben Menschen auch einst große Herdentiere lebten, wie z.B. Mammuts, Auerochsen und Rentiere. Von Hunden begleitete Menschen gelangten so einst über Doggerland von Skandinavien über Dänemark bis hin nach Großbritannien und natürlich auch jeweils hinunter nach Deutschland etc.. Belegt werden diese Wanderungen durch Funde rund um die Hamburger und nahegelegenen Ahrensburger Kultur und weiter westlich Starr Carr (Creswellien Kultur) bei Scarborough im Nordosten Yorkshires (England), mit ihren besonders fein erarbeiteten steinzeitlichen Werkzeugen (v.a. Messern) und Speerspitzen bis hin zu Harpunen. Ihre Hunde schienen eher weiter von hochbeiniger Statur zu sein und mit den Eigenschaften behaftet, wie weiter oben beschrieben. Ereignisse, wie wiederkehrende kleine Eiszeiten und untermeerische nordatlantische Erdrutsche, die einen großen Tsunami hervorriefen, neben steigenden Meeresspiegeln, auch durch die Eisschmelze, führten nicht nur zum Versinken von Doggerland (Relikt: Felsen von Helgoland), sondern auch zum Verschwinden der Landbrücke zwischen Frankreich und Großbritannien (Relikt: Kreidefelsen von Dover). Dammbrüche nach Wasseraufstauungen führten zu großflächigen Überflutungen. Vielleicht zogen sich auch dadurch einige der frühen Bewohner gerne ins schottische Hochland zurück, nach dem Abschmelzen des Eisschildes. Der sich bildende Ärmelkanal schnitt Großbritannien als Insel vom restlichen Europa ab. Erst mit dem Ausbau der Schifffahrt konnte es wieder weiter besiedelt werden. Bis dahin lebten Menschen wie Hunde dort weitestgehend isoliert.

  • 7. Neolithische Revolution

    Diese bedeutsame Entwicklung in der Geschichte der Menschheit beschreibt das erstmalige Sesshaft werden am Ende der Steinzeit. Vor allem in den Gebieten des Fruchtbaren Halbmonds im Nahen Osten genossen die sich dort erstmalig ansiedelnden Menschen die Vorzüge immer genügend Nahrung vor Ort zu haben, ohne ständig weiterziehen und neue Quellen ausfindig machen zu müssen. Das nun bequemere Leben führte dazu, dass die Anzahl der Menschen, vor allem in diesen Gebieten rascher zunahm, sei es durch weitere neu Hinzugezogene, aber vor allem auch in der häufigeren Erwartung von Nachwuchs. So wurden Ideen erfolgreich umgesetzt, wie das gezielte Anzüchten von Gräsern. Später wurde daraus der Ackerbau. Schon in der Steinzeit wurden bereits erste Strategien entwickelt gegen tierische Schädlinge wie Kornkäfer und Waldmäuse. Auch bei der Nahrungsquelle Fleisch begann man von der Jagd auf Viehhaltung umzusteigen, vorrangig mit dicht an der Behausung gehaltenem Kleinvieh (z.B. Schafe, Ziegen, Schweine) und später zu züchten. Auch hier musste man erst lernen deren Ernährung anzupassen und Infektionen zu vermeiden, wie zahlreiche Funde frühverstorbener Lämmer (und Föten) zeigen. Das Sesshaft werden brachte aber nicht nur Vorzüge mit sich, denn schnell breiteten sich auch Krankheiten aus, wie überall, wo Populationen eng zusammenleben. Idealbedingungen für so manche Krankheitserreger, wie z.B. Salmonellen. Manche gingen vom Menschen auf das Vieh, andere auch umgekehrt (Zoonosen). Zum anderen entwickelten sich bei Menschen und Hunden auch Wohlstandskrankheiten, wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vielleicht auch ausgelöst durch veränderte Nahrungszusammensetzung und teilweise weniger Bewegung. Auch Hygiene musste erst erlernt werden. So sind Ackerbau und Viehzucht erst vergleichsweise spät entstanden, im Vergleich zur Domestizierung der Hunde.

    Dort wo die Menschen sesshaft wurden, veränderte sich auch ihre Wünsche und Aufgabenansprüche an ihre Hunde, bei denen sich mehr Bequemlichkeit breit machte. Solche, die eher ruhelos das Nomadenleben bevorzugten, waren auf einmal weniger erwünscht. Auch solche, die ihren Jagdtrieb am gehaltenen Vieh ausübten, auch wenn es nur das des Nachbarn war. Schutz war weiterhin in einem gewissen Rahmen gefragt, aber auch eine gewisse Ruhe. So splittete sich auch das Aussehen weiter auf. Aus dem einst hochbeinigen leichtläufigen, eleganten Typus, wurden entweder schwerere (in Richtung spätere Molosser gehende) Hunde, aber auch kurzbeinigere kleinere, die der Unterhaltung und dem Zusammenleben mehr entsprachen. Und nicht zu vergessen diejenigen, die Unerwünschtes, wie Nager etc. fernhielten.

    Um neue Regionen zu erschließen und vielleicht auch den Infektionsdruck zu senken, zog es die Menschen immer wieder in neue Regionen. So folgte eine Migrationswelle der heute als Anatolische Bauern bezeichneten steinzeitlichen Menschen. Dort wo sie ankamen, brachten sie das Wissen rund um Ackerbau und Viehzucht mit, so dass immer neue Gebiete bewirtschaftet wurden. So breiteten sich diese neolithischen Siedlungen in Europa vor etwa 6000 - 8000 Jahren aus, darunter auch erste im südlichen heutigen Großbritannien. Bis etwa vor 5000 - 7000 Jahren dehnten sie sich weiter aus bis hoch ins heutige Schottland und hinüber nach Irland. Rückblickend scheint es eher weniger zur genetischen Durchmischung beider Völker im südlichen Europa gekommen zu sein, sondern eher zur Verdrängung der ursprünglichen Bewohner. Weiter nördlich hieß es, dass sie eher unter ihresgleichen blieben. Vielleicht setzten sich ihre Gene aber auch im kühleren Norden weniger durch, die eine höhere Anfälligkeit bezüglich möglicher mitgebrachter Erkrankungen bedingte. Oder ihnen eilte ein solcher Ruf voraus. Bezeichnend hier ist, dass (darum) ihre Hunde, die eher weiter von mittelgroßer Statur waren, in Großbritannien wohl keinen wirklichen Einfluss genommen hat, auf die Entwicklung der Vorläufer der weiter hochbeinigen Hütehunde, wie dem Collie genommen hat, und schon gar nicht in den Höhenlagen der Highlands, die kaum für die Landwirtschaft geeignet waren.

     

  • 8. Metallzeitalter

    Diese Epoche ist vor allem von immer weiterreichenden Handelsbeziehungen geprägt, vielfach basierend auf den immer weiter verfeinerten metallverarbeitenden Fähigkeiten, die ihren Ursprung bereits zum Ende der Steinzeit (Kupfersteinzeit) hatte. Damals hielt die Glockenbecherkultur ihren Einzug, in das bis dahin eher von den Entwicklungen hinterherhinkende Großbritannien, auf Grund seiner isolierten Lage und dehnte sich mit der Zeit aus bis in den Norden Schottlands. Möglicherweise gab es damals und auch im weiteren Verlauf des Metallzeitalters auch einen gewissen Zustrom von mitgebrachten, aber eher weiter hochbeinigen Hunden. Während es im Norden eher ruhig blieb, revolutionierte die Entdeckung, dass eine Legierung aus Zinn, das Kupfer aufwertet und sehr viel härter und widerstandsfähiger machte. So wurde das riesige Zinnvorhaben im Süden Großbritanniens abgebaut und von dort über ganz Europa samt dem Mittelmeerraum verbreitet und wahrscheinlich sogar hinunter bis nach Israel. Auch die Goldabbau und -verarbeitung wurde ausgedehnt. Bezeichnend ist hier z.B. der bedeutende Fund der Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt). 1999 wurde sie von illegalen Sondengängern entdeckt und leider unfachmännisch geborgen und anschließend auf dem Schwarzmarkt verkauft. Erst knapp drei Jahre später gelang es der Polizei sie sicherzustellen, zusammen mit anderen zugehörigen Grabungsstücken aus der mittleren Bronzezeit. Die Scheibe selbst wurde ursprünglich auf die frühe Bronzezeit datiert. Neuere Untersuchungen aus den letzten Jahren weisen dagegen darauf hin, dass sie eher aus der Eisenzeit stammt. Es gibt Hinweise darauf, dass sie in Anatolien gefertigt wurde und dass die Goldauflagen aus einem Fluss in Cornwall (Großbritannien) stammen.

    Nach den Eiszeitlichen Jägern & Sammlern und später den Anatolischen Bauern, gab es nun eine dritte große Völkerwanderung durch eurasische Steppennomaden, vielfach aus der Yamnaya Kultur. Mit ihnen verbreitete sich die sogenannte Schnurkeramische Kultur. Ihre Gene sind heute weitverbreitet in Europa. Vor allem aber brachten sie wohl erstmalig die Weidetierhaltung mit, denn sie waren vielfach unterwegs Pferden und Rindern. Revolutionär war auch ihre Nutzung als Reit- und Zugtiere (Holzkarren) sowie das Trinken ihrer Milch. Und natürlich wurden auch sie begleitet von ihren Hunden, vor allem den sogenannten Torfhunden. Aber auch sie schafften es nicht sich bei den Hunden des schottischen Hochlandes durchzusetzen. Möglicherweise gab es bei dieser dritten Völkerwanderung aus Eurasien auch solche, die per Schiff ins westliche Europa eindrangen und als die sogenannten Pikten vor allem auch Schottland besiedelten. Bedingt durch ihr Transportmittel wurden sie wohl seltener von Hunden begleitet. Was damals genau passierte ist bis heute nur schwer nachweisbar, da es kaum Schriften gibt. Auf jeden Fall waren sie wohl sehr wehrhaft, denn selbst die kampferfahrenen Römer schafften es später nicht bis hoch nach Schottland. Stattdessen errichteten sie den 117km langen, 3 Meter breiten und 5 Meter hohen Hadrians Wall, um sich selbst vor den Bewohnern des Nordens zu schützen.

  • 9. Von der Antike bis zur Industrialisierung

    Schottland wurde immer wieder mit mehr oder weniger Erfolg angegriffen und versucht zu beeinflussen, vor allem von den Angeln (Northumbria) aus dem Nordosten Englands, den Iren und skandinavischen Normannen (Wikinger, Norweger, Dänen). Besonders die Lowlands und vorgelagerten Inseln wurden immer wieder (vorübergehend) erfolgreich eingenommen.  Während die wehrhaften Clans in den nördlichen Highlands sich solchen Einflüssen in vielen Bereichen über lange Zeit entziehen konnten. So blieben nicht nur die Menschen, sondern auch weiter die Hunde eher unter sich und es gab keine gravierenden Veränderungen.

    Im Mittelalter unterlag Schottland dann doch dem zunehmenden Vordringen der Normannen. Nach Jahrhunderten unruhiger Zeiten, sah sich Schottland um 1700 gezwungen eine Union mit England einzugehen. Es ging unruhig weiter, bis dann 1746 die Clanstrukturen auch in den Highlands final zerstört wurden, um weitere Aufstände zu verhindern. Um 1800 herum wurde die ansässige Bevölkerung, vor allem Farmer großflächig vertrieben (Highland Clearances). Ihre Behausungen wurden niedergebrannt und die Leute in Regionen mit minderwertigem Land bzw. in die rauen felsigen Küstenregionen verbracht oder sie zogen in den von der Industrialisierung geprägten Süden Großbritanniens. Andere wurden nach Kanada (z.B. Nova Scotia), ins nördliche Amerika oder Australien verschifft. In den entvölkerten Gebieten machte sich nun der Adel breit, sowohl einheimischer als auch zugezogener, vor allem aus England und den schottischen Low Lands.  Sie begannen dort exzessive Schafzucht zu betreiben, ein damals sehr lukratives Gewerbe. Sie machte die herrschende Gutsherrschaft immer reicher, während die Arbeiter überwiegend bitterarm waren oder es immer mehr wurden.

    Nicht nur die Vertreibungen, sondern auch die zunehmende Industrialisierung führten zur Landflucht. Man könnte sagen, hinterher war nichts mehr wie vorher. Während die ehemaligen Siedler das Prinzip der Selbstversorgung verfolgten und Vieh eher nur in kleinerem Stil hielten, gab es nun vorrangig Großbetriebe, die auf möglichst großen Gewinn aus waren. So kamen nun auch Schafrassen (wie aus dem weiter südlich gelegenen Europa, z.T. begleitet von Hunden) zum Einsatz, die sehr effizient waren bezüglich Schafswollgewinnung. Hinzu kam eine riesige Abholzungswelle durch die einst dichten Wälder (unterhalb der Baumgrenze von ca. 600m), da dringend Holz benötigt wurde und zusätzliches Land für die Schafszucht, aber auch die Landschaft für immer schädigte. Die einst eher isoliert lebenden Hunde der Schottischen Highlands wurden mit der Vertreibung der Bevölkerung in die verschiedenste Richtungen versprengt oder sich selbst überlassen, nachdem ihre Familien verschleppt wurde. Einige fanden Anschluss an die neuen Bewohner. Manche fanden neue Aufgaben, andere wurden zum einfachen Liebhabertier v.a. der Oberschicht degradiert.

     

     

  • 10. Viktorianisches Zeitalter

    Auch diese Epoche war von grundlegenden Veränderungen geprägt, die auch weitere Auswirkungen auf die Hundehaltung hatte. Zum einen gab es eine schwere Hungersnot um 1850, nachdem das neue Grundnahrungsmittel Kartoffel nicht immer so wuchs wie erhofft und sich dann auch noch eine neuartige Pilzerkrankung breitmachte (gegen die man erst 40 Jahre später ein Mittel fand). Die Kartoffelfäule forderte bereits ein Jahr zuvor in Irland eine Millionen Todesopfer und doppelt so viele wanderten aus (etwas wovon sie sich die Insel nie mehr so richtig erholt hat), u.a. auch nach Schottland. Um 1870 gab es einen massiven Preisverfall für Schafswolle. Solche Ereignisse machten das Leben nicht nur für die Bevölkerung immer schwerer, sondern auch für deren Hunde.

    Queen Viktoria, Königin vom Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland (1837 - 1901) machte es den Menschen auch nicht immer leichter mit ihren Entscheidungen und vielen festgelegten Prinzipien etc., aber sie brachte auch viele Neuerungen voran, mit weitreichenden Veränderungen und unterschiedlichsten Konsequenzen. Selbst nicht immer glücklich mit den Begebenheiten am Hofe, strebte sie nach Neuem und läutete so auch die Epoche des Reisens ein. Besonders Schottland hatte es ihr angetan. 1848 erwarb sie dort das Schloss Balmoral in den Highlands. Damit setzte sie auch die Epoche des Erwerbs von Landgütern in Gang von der reichen Oberschicht, vor allem auch mit dem Ziel dem neuen Zeitvertreib der höfischen Jagd nachzukommen. Hierzu waren die entvölkerten Gebiete ideal, sorgten aber auch dafür, dass es so blieb. So besaßen zum Ende des 19. Jahrhunderts nur gut 100 Leute über die Hälfte Schottlands. Queen Victoria fand großen Gefallen an Collies und nahm sie auch in ihrem Zwinger Balmoral auf. In dieser Zeit gewann der Collie sehr an Popularität, vor allem bei der besser betuchten Bevölkerung und über die Landesgrenzen hinaus.

     

     

Weiterlesen … Historie: Vom Wolf zum Collie im Viktorianischen Zeitalter

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Textquellen

(wenn man den Links folgt finden sich neben den Originaltexten auch noch eine ganze Reihe interessanter Fotos):

 

Dr. Leigh Anne Clark (USA), Jacquelyn Evans & Dr. Allison Starr-Moss, written by Kathy V. Moll with the permission from the Collie Club of America Bulletin, Newsletter Collie Healthfoundation Summer 2014, page 12

http://www.colliehealth.org/Summer_2014_Newsletter.pdf

 

Collie Health Foundation - Vartiationin Collie Colors - Collie Kaleidoscope:

https://www.colliehealth.org/variations-collie-color/

 

Southwest Collie Rescue - Remembering "Hershey" with Gray Collie Syndrom:

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjAnOXOsKqDAxWLSfEDHcXtDvQQFnoECBMQAQ&url=https%3A%2F%2Fimg1.wsimg.com%2Fblobby%2Fgo%2F0426f92b-bf24-4b6e-a889-e0f7c606f210%2Fdownloads%2FSpring%2520_19%2520SWCR%2520newsletter_page1.pdf%3Fver%3D1596671602767&usg=AOvVaw07DK0BZ56uUj2cirwKURCQ&opi=89978449

 

collie-online, by Patrick Martin and a quote of Dr. Leigh Anne Clark:

http://collie-online.com/quotidien/forum/viewtopic.php?t=1620&f=5 

 

Leigh Anne Clark et al (2006):

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16407134/

 

Mary Langevin et al (2018):

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0198536

 

Mary Langevin et al (2022):

https://merle-sine-insertion-from-mc-mh.webnode.page/

https://merle-sine-insertion-from-mc-mh.webnode.page/storyofmerle/

https://merle-sine-insertion-from-mc-mh.webnode.page/the-first-merle-dog/

 

Labogen Sonderausgabe Merle (2022):

https://shop.labogen.com/sonderausgabe-merle

 

Diplomarbeit von Olivia Schatz - Schwab & Haas 2018 Uni Graz:

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwi437vx2qODAxV39bsIHfBcAtcQFnoECBQQAQ&url=https%3A%2F%2Fonline.medunigraz.at%2Fmug_online%2Fwbabs.getDocument%3FpThesisNr%3D54377%26pAutorNr%3D82444%26pOrgNR%3D1&usg=AOvVaw3ZZlDW7-Wfh359vtWbLl3K&opi=89978449 –

 

Webinar Merle bei Verena Priller von der Düsseldorfer Hundeakademie 2023

 

Weiterführende Infos zum Thema Merle gibt es hier; bitte beachten, dass nicht alle Labore zur Testung bei uns anerkannt sind:

https://mockingjay-shelties.de/aktuelle-forschung-zum-m-locus-merle/

https://mockingjay-shelties.de/merle-ist-nicht-gleich-merle/

https://kalalassies.de/merle/

https://www.sheltie-nixen.de/weitere-informationen/neueste-erkenntnisse-der-merle-genetik/

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Unerwünschte Farbveränderungen

Unerwünschte Farbveränderungen

  • Farbüberlagerung E-Lokus (e/e)

    Extrem selten taucht beim Collie die unerwünschte Allel Zusammensetzung e/e (E-Lokus) auf und überdeckt dann die Grundfärbung sowie den Nasenspiegel mit einer rötlich hellbraunen Farbe. Beim Kragen, Läufe etc. bleibt das Weiß erhalten, so dass sie an Sablefarbene Collies erinnern. Verdeckt es Merle, spricht man auch von Hidden Merles. Die Vererbung ist rezessiv, d.h. die beiden seltenen Gene müssen von beiden Elternteilen aufeinandertreffen, um diese farbliche Ausprägung zu erwirken. Auf der anderen Seite können sich betroffene Allele völlig unbemerkt verbreiten, so lange sie von einem zweiten, nicht betroffenen Gen abgedeckt werden und keine farblichen Veränderungen auftreten. Bei Settern und Retrievern ist es eine gängige Farbvariation und verursacht dort keine gesundheitlichen Einschränkungen. Manche diskutieren, ob es sie nicht auch schon immer beim Collie gab. So oder so gilt sie heute eher als unerwünscht, da sie alles überlagert. 

  • Maltese Blue / Maltese Gray (d/d)

    Maltese Blue, auch Maltese Gray genannt, erwirkt eine Verdünnung aller Farben (Eumelanin & Phäomelanin). Bekannt geworden sind Fälle aus Anpaarungen von Classic Blue Merle mit Tricolor. Während die meisten Nachkommen normal gefärbte Tricolor und Classic Blue Merle sind, gibt es einige, der Fell mittel- bis dunkelgrau ist, mit dem Trend noch nachzudunkeln, wenn die Tiere heranwachsen. Sie erinnern ein wenig an Collies mit Atypischem Merle. Allerdings findet man beim Maltese Blue dazu auch noch eine Aufhellung der ursprünglich lohfarbenen Tan-Abzeichen zu Cremefarben. Das Weiß am Kragen, Läufen etc. ist normal ausgebildet. Es darf nicht verwechselt werden mit GCS (s.u.).

    Leigh Anne Clark et al. hat um 2018 herausgefunden, dass hier eine zusätzliche Mutation am D-Lokus (Dilution, Verdünnung) vorliegt, mit der Ausprägung d/d, die zu dieser unerwünschten Farbgebung führt. Die Vererbung ist rezessiv, d.h. die beiden seltenen Gene müssen von beiden Elternteilen aufeinandertreffen, um diese farbliche Ausprägung zu erwirken. Auf der anderen Seite können sich betroffene Allele völlig unbemerkt verbreiten, so lange sie von einem zweiten, nicht betroffenen Gen abgedeckt werden und keine farblichen Veränderungen auftreten. Laut Dr. Clark sind keinerlei gesundheitliche Einschränkungen zu erwarten, was auch den Berichten von Besitzern (alle außerhalb unseres Vereins) entspricht.

  • Gray Collie Syndrom (GCS/GCS):

    Man darf Maltese Blue nicht verwechseln mit Collies, die betroffen sind vom Gray Collie Syndrom (GCS), auch Zyklische Neutropenie genannt, da es alle ca. 11 Tage zum dramatischen Abfall weißer Blutkörperchen (Granulozyten) kommt. Denn auch sie haben ein gräuliches Fell, aber meist noch heller, dazu fehlen die Tan-Abzeichen und auch der Nasenspiegel ist nicht vollständig pigmentiert. Die Hunde sind meist in einem sehr schlechten Allgemeinzustand, da sie sehr anfällig für Infektionen sind. Darum bleiben sie auch meist von der Entwicklung gegenüber gesunden Wurfgeschwistern deutlich zurück. Viele erreichen nicht das Erwachsenenalter, sondern sterben an einfachen Infektionen. Test: https://labogen.com/erbkrankheiten-hund/grey-collie-syndrom-canine-zyklische-neutropenie-gcs/. Unsere Zuchtordnung schließt die Geburt solcher Hunde aus. Weitere ausführliche Infos gibt es auch in unserem Zuchtlenkprogramm zu GCS:

    (Dies ist eine seltene genetische Erkrankung bei der Blutzellbildung im Knochenmark, bei der es zur zyklischen Verminderung, vor allem der für die Immunabwehr hochwichtigen Neutrophilen Granulozyten kommt. Letztere sind der Hauptbestandteil des zellulären Immunsystems. Ihre starke Verminderung alle 11 (10-14) Tage führt dazu, dass betroffenen Hunde sehr Infekt anfällig werden. Solange Welpen noch gesäugt werden, scheinen die Antikörper aus der Muttermilch noch unterstützend zu wirken, hinzu kommt das für gewöhnlich eher keimarme Umfeld. Bis dahin fällt vor allem die leicht aufgehellte, meist gräuliche Fellfarbe auf (nicht verursacht durch Merle), mit einer sich im Entwicklungsverlauf nicht vollständig schwarz pigmentierten Nase, die auch eher anfangs rosig, später gräulich bleibt. Zudem fehlen die Tan-Abzeichen. Die größte Gefahr der Ausbildung von Symptomen ist mit 8-10 Wochen. Bis auf wenige Ausnahmen, beginnt dann ein schlimmer Leidensweg mit zunehmend schwerer werdenden und früher oder später lebensbedrohlich wirkenden Infektionen, anfangs oft mit einfachsten Erregern, die gesunden Welpen und Junghunden wenig ausmachen. Begleitet werden die Erkrankungen gerne wiederkehrendem Fieber, Durchfall, manchmal Erbrechen, Gelenkschmerzen aus den schon bald Arthrosen werden, zum Teil begleitet von Fehlstellungen. Typisch sind auch Atemwegsinfektionen, die sich zu schweren lebensbedrohlichen Lungenentzündungen ausweiten. Auch Augen, Haut, Maul samt Zähnen sind sehr empfänglich für alle möglichen Krankheitserreger. Da die gesamte Blutbildung durch die zyklischen Veränderungen (darum auch Zyklische Hämatopoese genannt) gestört ist, kommt es leicht zur Bildung einer Anämie, möglicherweise einhergehend mit einer Störung der Blutgerinnung und Symptomen wie Nasenbluten und allgegenwärtiger zusätzlicher allgemeiner Schwäche. Die betroffenen Hunde sterben meist innerhalb der ersten drei Lebensjahre. Reziproke Knochenmarkstransplantationen von kranken Hunden auf gesunde, die dann erkrankten und umgekehrt von gesunden auf kranke, die Heilungschancen aufwiesen, haben bewiesen, dass die Ursache eindeutig im Knochenmark zu finden ist. Leider gibt es bei Hunden kein ausreichend ausgebautes System zum Finden passender Knochenmarksspender. Bei Menschen gibt es eine vergleichbare Erkrankung, die Zyklische Neutropenie (CyN). Inzwischen konnte man eine Mutation im Exon 20 des am AP3B1-Gens ausmachen (https://omia.org/OMIA000248/9615/). Dies bewirkt vor allem einen Mangel am Enzym Elastase (incl. Verklumpung der nicht fertig gestellt werden könnenden Vorstufen) sowie in der Folge eine Störung der Fortbewegung und Funktion der Granulozyten, bis hin zur fehlenden Auslösung einer finalen Immunantwort zur Infektionsbekämpfung. Das Gen ist auch ursächlich für eine Form der Fellverdünnung, die die namensgebende Graufärbung bei betroffenen Tieren hervorruft. Sie kann auch abweichend ins beige-gelbliche gehen, je nach Grundfarbe und als eine neue Farbvariante nach dem seltenen Fellwechsel. In der Regel fehlt auch die harsche Struktur. Inzwischen ist man auch bei fern verwandten Rassen fündig geworden bezüglich dieser Mutation, bei anderen Rassen sucht man noch. Vermutlich kam es zu diesen Veränderungen bereits im schon sehr früh in der Entwicklungsgeschichte der Hunde. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben auch die beiden Elterntiere (Träger) bereits eine eingeschränkte Funktion ihrer Granulozyten. Wir sind froh, dass ein passender Gentest entwickelt werden konnte. Es spricht alles dafür, dass unser Genpool auch komplett frei ist von Trägern und idealerweise auch so bleibt. Schon zur Gründung unseres Vereins haben wir die Regelung aufgestellt, dass bei jeder Verpaarung mindestens ein Elternteil genetisch frei sein muss (GCS +/+ bzw. N/N). Zwischenzeitlich muss jeder Zuchthund auf GCS getestet werden. So wurde und wird auch in Zukunft die Geburt von GCS-betroffenen Welpen, in unserem Verein AC e.V. gänzlich ausgeschlossen!)

  • Fever Coat

    Fever Coat (Fieber Fell, Fiebermantel) hat trotz Aufhellungserscheinung nichts mit Merle zu tun. Auslöser kann eine (meist harmlose) Infektion während der Trächtigkeit sein. Auch zu viel Stress wird als Trigger nicht ausgeschlossen. Entscheidend scheint der Zeitpunkt zu sein, wenn es die Zeit trifft, bei der es bei den Welpen zur Ausbildung der Pigmente für die Fellfärbung geht. Kommt es hier zu einer Störung, kann es passieren, dass der Kopf (manchmal auch bis hin zu Schultern und Vorderläufen), ganz normal kräftig gefärbt ist, während das Fell des restlichen Körpers mehr oder weniger stark aufgehellt ist. Oft ist es nur eine leichte Nuance. Dieser Effekt ist nur vorübergehend. Beim nächsten Fellwechsel (spätestens beim Erwachsenenfell) bildet sich das Pigment wieder mit normaler Farbgebung aus.

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